29.06.2016 - 14:45 Uhr

Nachlese Praxiszeit "Industrielle Teilereinigung" vom 28.06.2016 in Hattingen


"Früher stand man als Teilereiniger eher am Ende der Nahrungskette und trug die Schuld an Prozessproblemen - heute spricht man mit uns und wir werden als  wichtiger Partner in der Prozesskette wertgeschätzt" erläutert Michael Schwerdtfeger in seinem Vortrag auf der Praxiszeit "Industrielle Teilereinigung".

Eine runde Sache war die Praxiszeit am 28.6.2016 in der Henrichshütte in Hattingen, zu der das Kompetenznetzwerk für Oberflächentechnik e.V. gemeinsam mit dem FachwerkMetall eingeladen hatte. Das Programm wurde von sieben Unternehmen gestaltet und ermöglichte verschiedene Blicke auf die Teilereinigung.

Dr. Norbert Schindler (RIO GmbH) zeigte einleitend, welche Faktoren bei der technischen Sauberkeitsanalyse eine Rolle spielen und welche Unterschiede es zwischen der Reinigung unter Laborbedingungen und der industriellen Teilereinigung gibt: "Man könnte sagen, dass sich industrielle Teilereinigung und technische Sauberkeitsanalyse zueinander verhalten, wie der Geschirrspüler voller Tagesgeschirr zur handgespülten Sammeltasse.", so Dr. Schindler.

Michael Bertzen und Jonas Marx (Chemische Fabrik Wocklum Gebr. Hertin GmbH & Co. KG) machten den Teilnehmern der Praxiszeit in ihrem Part deutlich, wie umfangreich sich die Anforderungen an die industrielle Teilereinigung hinsichtlich der Reinheit aber auch der Umweltverträglichkeit in den letzten Jahren verändert haben. In Folge haben sich dann auch die Produkte von den gängigen Branchenlösungen zu maßgeschneiderten Prozesslösungen verändert. Mit einem Überblick über die verschiedenen Reinigungsverfahren legten die Vortragenden eine Grundlage für die kommenden Vorträge.

Dr. Thomas Wenz (Erdmann GmbH & Co. KG) sprach in seinem Vortrag an, dass die steigenden Anforderungen an die Teilereinigung auch die Bedeutung des Reinigungsprozesses in der Wertschöpfungskette stark vergrößert haben. Die Teilereinigung ist dadurch vom notwendigen Übel zum qualitätssichernden Baustein geworden ist. Der Trend, so Dr. Wenz, geht allerdings auch bei der Teilereinigung in Richtung Industrie 4.0, was bedeutet, dass auch hier eine smarte Systemintegration in automatisierte Abläufe in Zukunft immer stärker nachgefragt wird.

Michael Schwerdtfeger (Herrmann Brose GmbH & Co. KG) aus Remscheid schloss sich der Meinung seiner Vorredner an und zeigte gleichzeitig die Vorteile einer ausgelagerten Teilereinigung nachvollziehbar auf: "Durch die gestiegenen Anforderungen stehen wir unseren Partnern viel näher und erarbeiten mit ihnen geeignete Lösungen." Besonders interessant war sein Bericht über den Wandel in der Teilereinigung.

Tobias Weichert (Clean - Lasersysteme GmbH) aus Herzogenrath zeigte auf, dass ein Laserstrahl hervorragende Ergebnisse, zum Beispiel bei der Reinigung des Kraftstofftanks der Ariane Rakete liefern kann. Reinheitsgrad und Vorschubgeschwindigkeit sind hierbei maßgeblich von der eingebrachten Energie abhängig, die in dem Laser umgesetzt wird. Solange der Laser auf 3 mm einer Kontur folgen kann, ist die Anwendung möglich. Es ist möglich, bis auf das Substrat zu gehen und eine "Neu" Oxidation der Oberfläche zu kontrollieren. Die Rauheit der Oberfläche lässt sich einfach beeinflussen um eine "Feinjustierung" des Benetzungsverhaltens zu erreichen. Auch in Bohrungen ab 55 mm ist das Verfahren möglich.

Jens Klingebiel (Wupperverband) brachte noch einen weiteren Blick auf die Teilereinigung. Nach dem reinigen muss die "Brühe" irgendwo hin. Es wurde der Unterschied kommunaler und Industrieabwässer erklärt, auf negative Konsequenzen bei mangelhafter Direkteinleitung in kommunale Kläranlagen hingewiesen und erläutert, wie man preiswert und legal seine Abwässer "los wird".

Das war unsere Praxiszeit "Industrielle Teilereinigung". Vielen Dank an die Referenten und alle Mitwirkenden. Die nächste Praxiszeit ist der Galvano- und Oberflächentreff am 17. November 2016 in Solingen.


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